Ausgabe 36

Liebe erfordert Ausdauer

Die Renninger Krippe gehört zum Lebenswerk des Priesters Franz Pitzal

Unabhängig von der Konfession kennt wohl jeder Renninger den katholischen Priester Franz Pitzal. Aber auch über die Stadtgrenzen hinaus ist er nicht nur mit seinen Aktionen beliebt und bekannt ge­worden. Sein Name steht auch für die wohl einzigartigste Krippe Deutschlands, der Renninger Krippe. Auch dieses Jahr wird die Renninger Krippe in der Katholi­schen Kirche in Malmsheim wie­der ihre Tore öffnen.

Was Pfarrer Franz Pitzal an­packt, hat immer Hand und Fuß. Seit über 40 Jahren wirkt er als Priester und hat seinen Beruf schon immer als Kom­munikationsebene genutzt. Dabei ist es ihm egal, welche Konfessionen seine Mitstreiter unterstützen. In erster Linie ist er ein Kämpfer für die Sache. Würde die katholische Kirche Werbeträger einsetzen, Franz Pitzal wäre sicher der geeigne­te Prototyp. Aber was treibt den mittlerweile 75-jährigen an, seine Kirche, seine Spen­denaktionen, seine Ausflüge in alle Welt, seine Begegnungen mit Not und Elend dieser Welt fortzuführen? Und nicht zu­letzt: Woher nimmt er die Kraft und Geduld, 32 Jahre bereits eine imposante Krippe aufzu­bauen, bis zu 50 Helferinnen und Helfer einzubinden? Das geht nur, wenn man dafür Lie­be empfindet. Und das tut Franz Pitzal.

Nicht immer trifft er mit seinen Krippenideen den Geschmack der öffentlichen Meinung. Aber das will er auch gar nicht. „Das Provozierendste, das wir gemacht haben, war die Krippe zur Fußball-WM 2006“, erinnert er sich. Er woll­te damit eine Brücke schlagen. Das Glücksgefühl beim Tor­schuss lässt sich auf andere Be­reiche des Lebens ausdehnen. „Ein Tor steht für den Erfolg. Ein Erfolg kann auch sein, wenn ein junger Mensch sein Examen macht, wenn ein Kranker wieder gesund wird oder wenn man Arbeit hat“, zählt er auf.

Die Krippenidee entstand in der Kindheit

Angefangen hatte die Krippen­idee in der Kindheit. „Ich habe als Bub immer Krippen ge­baut“, so Pitzal. Als er nach Renningen kam, wollte er nicht jedes Jahr die gleiche Krippe aufstellen. Die bereits seit zehn Jahren verstorbene Hildegard Buchhalter bastelte Jahr für Jahr Figuren, mit de­nen man das ganze Treiben der Vorfreude auf das Weihn­achtsfest darstellen konnte. Noch heute werden diese Figu­ren für die Krippen verwendet. Eine Unmenge, die sich da mittlerweile angesammelt hat und die außerhalb der Weih­nachtszeit im Renninger Krip­penmuseum bewundert wer­den kann. Die Themen erge­ben sich meist aus Ereignissen oder spontanen Ideen des Pfar­rers. „Wir hatten schon das Landesjubiläum Baden-Würt­temberg, die Wiedervereini­gung und eben die Fußball-WM“, zählt er auf. Fast alle wichtigen Gebäude der Welt standen schon in der Malms­heimer Kirche. Golden Gate Bridge, Kölner Dom, der schie­fe Turm von Pisa, Petersdom, Chinesische Mauer, Taj Mahal oder auch regionale Gebäude wie Schloss Solitude und das Stuttgarter Schloss. In diesem Jahr sollen die markantesten Punkte der Partnerstädte Saal­burg (Thüringen) und Menne­cy (Frankreich) dargestellt wer­den. „Nach 30 Jahren wird es immer schwieriger mit den Ideen, aber uns fällt immer wieder etwas ein.“ Nur eines bleibt immer im Mittelpunkt: Die Weihnachtsgeschichte. „Das Frohe“, betont Pitzal. „Deshalb wol­len wir nie die schwierigen Dinge der Welt aufzeigen. Für die sammeln wir“, verweist er auf die Arbeit der Stiftung Renninger Krippe. Pitzal höchstpersönlich küm­mert sich darum, dass die Spenden auch da hingehen, wo sie hingehören. Gerade erst war er im Oman.

Die Krippe soll Menschen verbinden

Dann geht die Tür auf. Einer der Krippenbauer fragt: „Wo isch der Bepp?“ Franz Pitzal sagt es ihm und wendet sich dann wieder den weiteren Aspekten der Krippe zu. „Mit der Krippe sind alle angespro­chen. Von kleinen Kindern bis zu Professoren.“ Und er erläu­tert, welchen Sinn sie noch er­füllt. Pitzal zählt auf: „Wis­sensvermittlung, Aufwertung der Kultur, Geschichtliches, Länderkunde. Durch die Figu­ren werden auch verschiedene ethnische Gruppen gezeigt. In­dianer, Eskimos, fast alle deut­schen Trachten, religiöse Figu­ren, Kinder, Jugendliche, Fami­lien, alte Menschen. Alles was zum Thema passt.“ Franz Pitzal erzählt das alles sehr unaufdringlich, spricht nie von sich allein, sondern immer von „wir“. Kein Wun­der: Bis zu 50 Leute sind in den zwei Monaten Krippenausstel­lung gefordert. Pitzal als ge­lernter Uhrenmacher sagt: „Ich bin dabei der Mann für die feineren Arbeiten. Mit Ge­nauigkeit habe ich es aber nicht mehr so arg. Dafür ma­che ich es schneller“, sagt er schmunzelnd. Eine so lange Zeit diesen Aufwand zu betrei­ben – das geht nicht ohne Lie­be. „Liebe erfordert Ausdauer“, sagt Pitzal. Und er sinniert noch ein wenig über die Liebe im Allgemeinen. „Liebe kann man nicht beweisen mit einem Blumenstrauß oder Pralinen. Liebe ist eine Kraft, eine Stärke und geht viel weiter.“ Seine Lie be zur Arbeit an der Krippe, zur Arbeit in der Gemeinde und sei­ne Liebe zu den Menschen ha­ben diesem Mann wirklich sichtbar Kraft gegeben. Neben der täglichen Öffnung der Krippe wird es auch wieder an Sonn- und Feiertagen das Abendlob geben. Dazu hat Pit­zal wieder einige Vertreter des öffentlichen Lebens ange­schrieben. „Ich habe auch den Geißler angeschrieben, aber er hat sich nicht gemeldet. Den muss ich mal stupfen, wenn er nicht kommt.“ Er betont, dass alle Redner unentgeltlich auf­treten. „Also ein Jauch wird wohl nicht kommen“, schmun­zelt er. Wer weiß. Wenn ihn je­mand nach Renningen be­kommt, dann Franz Pitzal.

Matthias Haug

Die Renninger Krippe im Stadtteil Malmsheim ist zwischen dem 11.12.2011 und 05.02.2012 täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen schließt die Krippe um 17.30 Uhr mit dem

Fotos: Andreas Gorr

Abendlob. Ein Vertreter des öffent­lichen Lebens und ein Chor wer den den Abend mitgestalten. Von der S-Bahn-Haltestelle Malms­heim bis zur Kirche sind etwa acht Minuten zu laufen.

Pfarrer Franz Pitzal unterstützt mit den Spendeneinnahmen ein Pro­jekt für Kinder und Jugendliche in Kamerun. Spenden sind auch auf das Konto 1000822108 bei der Kreissparkasse Böblingen, BLZ 60350130 möglich.

Liebevoll gestaltete Figuren in der Renninger Krippe

Priester Franz Pitzal bastelt an der Krippe mit viel Liebe zum Detail