Ausgabe 40

Lernen durch Abwechslung statt Wiederholung

Life Kinetik: Gehirntraining durch Kombination einfacher Bewegungen

Hinter dem sperrigen Begriff „Life Kinetik“ verbirgt sich ein Bewegungsprogramm, das die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessert. Der Ditzinger Physio­therapeut Daniel Philippin präsentiert die Technik bei der Vitalmesse – und animiert die Besucher zum Mitmachen.

Sie haben zwei Bälle in der Hand, einer blau, einer gelb. Werfen Sie beide Bälle hoch – das wird kein Pro­blem für Sie sein. Werfen Sie nun die Bälle wie­der senkrecht nach  oben  und  kreuzen  Sie  dann  Ihre  Hände – den mit der lin­ken Hand oben“, sagt Daniel Philippin. Der Ditzinger Physiotherapeut beherrscht die beschriebene Übung aus dem Effeff. Sie ist ei­ne Technik, um die Leistungs­fähigkeit des Gehirns zu ver­bessern. „Das menschliche Gehirn hat Millionen von Zellen. Entscheidend ist aber nicht die Menge der Zellen, sondern wie sie miteinander vernetzt sind“, sagt Philippin: „Je besser verschaltet sie sind, desto besser funktioniert das Gehirn.“

Diese sogenannte Synapsen­bildung im Gehirn trainiert Philippin mit Menschen in sei­ner Ditzinger Praxis. Sie müs­sen dann beispielsweise das Alphabet aufsagen, während sie den Hampelmann ma­chen. „Life Kinetik hilft allen, die ihre Gehirnleistung verbes­sern wollen.“ Schüler könnten sich durch Life Kinetik ge­danklich schneller auf das nächste Unterrichtsfach ein­stellen, seien konzentrierter, würden Sachverhalte schnel­ler auffassen und könnten sich so den Nachhilfelehrer er­sparen. Auch Unterneh­men bauen das Bewe­gungsprogramm für das Gehirn in den Arbeits­alltag ihrer Mitarbeiter ein. Außerdem helfe Life Kinetik beispiels­weise Schlaganfallpa­tienten in der Rehabili­tation, so Philippin. Es beuge auch der De­menz vor: „Das Ge­hirn lernt durch Ab­wechslung, nicht durch Wiederho­lung.“ Dieses Prinzip hat auch der Leistungssport entdeckt. Skifahrer Christian Neureuther hat Life Kinetik ebenso in sein Trainingspro­gramm eingebaut wie Jürgen Klopp: „Schnell erfassen und schnell wahrnehmen ist wich­tiger als schnell laufen“, sagt der Dortmunder Bundesliga­coach. Er lässt seine Spieler beispielsweise auf einem Seil balancieren, während sie mit dem anderen Fuß einen zuge­worfenen Ball zurückpassen müssen. An Spielern wie Mario Götze oder Zinedine Zidane könne der Erfolg von Life Kinetik be­obachtet werden, sagt Philip­pin: „Diese Spieler erfassen ihr Umfeld schneller, sie antizipie­ren besser, machen weniger Fehler und sind leistungsfähi­ger.“ Zurück zur Übung am Anfang des Textes: Werfen Sie die Bälle nach oben, überkreuzen Sie dann die Hände und lösen Sie dabei eine Rechenaufgabe. Wenn Sie das alles schaffen, sind Ihre Gehirnzellen gut miteinander vernetzt.

Wolf-Dieter Retzbach

Foto: Retzbach, fotolia.de

24 LEOAKTIV

Daniel Philippin veranstaltet bei der Messe Vital am 13. Mai ab 15 Uhr eine kostenlose Life Kinetik-Stunde, die im Gymnastiksaal stattfindet.