Ausgabe 56

„Opa, warum ruckelt das so?“

Wer mit dem „Feurigen Elias“ reist, kann was erzählen

Renningen, Donnerstag, 1. Mai, Feiertag : Das Frühstück wird etwas schneller als von Oma gewünscht gegessen. Wir ertragen die Schelte gelassen. Freuen uns stattdessen auf unser Vorhaben – eine Fahrt von „Männern“ mit dem „Feurigen Elias“ auf der Strohgäustrecke.

Oft bestaunt mein fünfjähriger Enkel Simon die Züge und weiß: „Die S6 fährt nach Rutesheim und weiter zur Wilhelma. Die S60 in die andere Richtung nach Böblingen. Ich habe ihm von Dampf­lokomotiven erzählt, ja davon ­geschwärmt, wie sie dampfend ohne Strom alte Wagen mit Passagieren ziehen. Gesehen hat er noch keine. „Rechtzeitig“, also rund zehn Minuten vor der Abfahrtszeit der S-Bahn um 8.26 Uhr, sind wir auf dem Bahnsteig. Schließlich müssen noch unzählige neugierige Kinderfragen am Fahrkartenautomaten wie „Opa was drückst du? Wie viel kostet die Fahrt?“ und auf dem Bahnsteig „In welche Richtung fahren wir? Wie viele Stationen sind es?“ möglichst kindgerecht beantwortet werden. Endlich kommt die S-Bahn und wir erreichen pünktlich um 8.44 Uhr Korntal. Simon ist etwas aufgeregt. Schnell aussteigen und dann die Enttäuschung: „Opa, hier ist kein Dampfzug.“ Keine Zeit für lange Erklärungen. Wir müssen zum anderen Gleis, wo viele Fahrgäste warten. Wir treffen zufällig Bekannte und erfahren, dass sie reserviert haben – wir nicht. Wir warten inmitten der Menschen und ich erkläre, dass der Dampfzug von da kommen müsse. „Wann kommt er denn endlich?“ Die (kurze) Wartezeit ist für die Kinder viel zu lang – nicht nur für Simon. Endlich: „Da kommt er.“ Simon guckt und redet nichts. Ich verabschiede mich von unseren Bekannten: „Ich hoffe, dass wir auch noch zwei Plätze finden.“ Ein nebenstehender Mann antwortet: „Schnell! Kommen Sie!“ Wir eilen hinterher, steigen hoch auf die offene Plattform, das „Perron“, dann durch die Tür und bald sitzen wir auf harten, aber reservierten Holzbänken. Ich erfahre, dass eine Familie absagen musste. Glück für uns und Dankeschön. Etwas scheu blickt sich Simon um. Alles ist anders als in der ­S-Bahn. Und laut ist es auch. Um 9.16 Uhr beginnt die Fahrt. Er lauscht, sieht durchs Fenster. Weißliche Fetzen von Wasserdampfschwaden ziehen am Fenster vorbei. „Opa, was ist das?“ und bei etwas schnellerer Fahrt „Opa, was ruckelt da so?“ Die Fragen stürzen im Minutentakt auf mich ein. Schließlich kommt der junge Schaffner in blauer Uniform und Simon bezahlt stolz unsere Billets. Der Zug hält in Münchingen. Wir verlassen unser Abteil, wagen uns auf die offene Plattform. Als sich der Zug wieder ruckelnd in Bewegung setzt, möchte Simon zurück in den Wagen. Fasziniert blickt er aus dem Fenster. Dann ein Halt auf offener Strecke vor der Straße bei Heimerdingen. Ein Halte­signal für Autos muss noch aktiviert werden. Wir gehen wieder auf das „Perron“. Dieses Mal sind zwei weitere Kinder draußen.
Sie halten sich an den zur Sicherheit angebrachten eisernen Geländern fest. Simon macht es wie sie und als sich der Zug wieder akustisch unüberhörbar gemächlich in Bewegung setzt, bleibt er stehen. Kurzer Blickkontakt, er nickt und signalisiert damit Zustimmung zu unserem Ortswechsel. Jetzt ziehen von der Lok kommend schwarze bis weiße „Wolken“ an uns vorbei. „Das stinkt“ und trotzdem überwiegt offensichtlich die Neugierde, wenn der Fahrtwind ihm um die Nase weht, die Bäume zum Greifen nah langsam vorbeigleiten, er intensiv seinen Blick auf‘s Schotterbett richtet. All diese einzigartigen Reize sind so lohnend, dass auch ein paar Regentropfen uns nicht mehr in den Waggon treiben. Auf dem „Perron“ erreichen wir Weissach, das heutige Ende unserer Reise.     Alfred Kauffmann

Wegen Bauarbeiten auf der Strohgäustrecke fährt der Feurige Elias am Sonntag, 3. August im Pendelverkehr mit der Dampflok T3 930 oder dem „Krokodil“ zwischen Korntal und Leonberg. Vom Bahnhof in Leonberg sind die Abfahrtsstellen der Pendelbusse zum Wengerterfest in die Feinau in rund einer halben Stunde erreichbar. Alle Abfahrtszeiten unter www.ges-ev.de. Dort finden Interessierte auch weitere Fahrten mit historischen Zügen, beispielsweise nach Neuffen.

Zwischenüberschriften

Wasserdampfschwaden ziehen am Fenster vorbei