Poetische Landschaften neben dystopischen Stadtansichten

Werke von Océane Moussé und Hendrik Czakainski im Galerieverein Leonberg

Das Kulturamt der Stadt Leonberg zeigt vom 13. September bis zum 25. Oktober im Galerieverein Werke zweier Neuköllner Künstler – Hendrik Czakainski und Océane Moussé.

Océane Moussés Landschaftsbilder bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Gezeichnetem und dem weißen leeren Raum. Filigran, fein und präzise wirken die auf weißen, unterschiedlich großen Papierbögen gezeichneten kleinen Tuschefäden, die sich zu räumlichen Strukturen, Körpern, Architekturen und Landschaften mit Hügeln und Senken zusammenfügen. Dabei sind die Motive auf das Wesentliche begrenzt, die Räume auffällig entleert. So bleibt z. B. neben Schraffuren und Linien der Himmel unausgesprochen – als eine weiße, leere Fläche. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit als eine „Art des Entblößens von Landschaften, als ein dumpfes Rauschen von intimen Ereignissen. Der Prozess und das Ergebnis sind dabei nicht trennbar, jede mit einem Stift gezeichnete Linie führt zum Aufbau meiner Landschaft, eine Arbeit von Zeit, über die Zeit.“

Moussés Landschaften sind Spiegel der Emotionen, aber auch Zeugnis menschlicher Aktivität. In einer Art Partitur überlagern sich die Welten. Der Verlust von Orientierungspunkten, Wandern, Schwindel, Kippen, Unvermeidlichkeit, Schwerelosigkeit und Sturz sind die Themen, die sie durch ihre Zeichnungen zu entwickeln versucht.

Océane Moussé wurde 1980 in Toulouse geboren. Sie studierte Freie Kunst an der Kunstakademie Toulouse. Nach dem Diplom folgte der Abschluss DEA Audiovisuell sowie Residenzstipendien in Spanien, Frankreich und Deutschland. Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen und viele Veröffentlichungen prägen ihr künstlerisches Schaffen. Sie lebt und arbeitet in Neukölln.

Hendrik Czakainski beschäftigt sich in seinen Werken mit den Auswirkungen des menschlichen Handelns auf den eigenen Lebensraum. Im 21. Jahrhundert, das oft als das „Jahrhundert der Städte“ bezeichnet wird, geht er dabei vom urbanen Lebensraum aus. Realitätsnahe Abbildungen dystopischer Stadtansichten neben abstraktem Formenspiel und einer außergewöhnlichen Materialästhetik sind charakteristisch für Czakainskis Schaffen. Seine aus Holz, Karton, MDF, Spachtel und Farbe gefertigten Bilder sind dreidimensionale Objekte in denen sich immer wieder vogelperspektivische Ansichten – teils zerstörter – urbaner Strukturen erkennen lassen.
Inspirationsquelle seiner Werke sind seine persönlichen Eindrücke, die er während seiner Reisen gesammelt hat, sowie Ergebnisse von Recherchen zu humanitären und ökologischen Katastrophen.

Hendrik Czakainski wurde 1979 in Aurich geboren und arbeitete zunächst als Siebdrucker und Schreiner. Er studierte an der „Etage“ in Berlin und war Assistent von Markus Draper und Wolfgang Flad. Seit 2009 sind Czakainskis Arbeiten kontinuierlich in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, unter anderem in Frankreich, USA, Finnland und Belgien zu sehen. Seit 2013 arbeitet der Künstler als Lehrbeauftragter für Freie Darstellung an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Er lebt und arbeitet in Neukölln.

Zur Vernissage am 13. September wird aufgrund der aktuellen Situation die Werkeinführung mit Künstlergespräch drei Mal angeboten – jeweils um 11.15 Uhr, um 14.15 Uhr und um 16.15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

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