Wettbewerb mit drei Künstlerinnen

Katharina Kepler bekommt Skulptur zum 475. Geburtstag

Katharina Kepler, Mutter des berühmten Astronomen Johannes Kepler wäre im kommenden Jahr 475 Jahre alt geworden. Grund genug, um ihr eine eigene Skulptur zu schenken. Drei Künstlerinnen bemühen sich um den Auftrag.

Der Bürgerverein Eltingen und das Amt für Kultur und Sport schenken Katharina Kepler durch einen Einladungswettbewerb eine Skulptur. Anlass ist ihr 475. Geburtstag und ihr 400. Todestag im Jahr 2022.

Die drei Künstlerinnen Birgit Feil, Katja Geisselhardt und Nina Koch wurden damit beauftragt, ihre eigene Vorstellung Katharina Keplers plastisch darzustellen – Abbildungen Katharina Keplers sind nicht vorhanden. In den vergangenen drei Monaten befassten sie sich bereits intensiv mit Katharina Kepler sowie der Zeit, aus der sie stammte. Entstanden sind drei unterschiedliche Entwürfe, die von Montag, 5. Juli bis Montag, 26. Juli, in drei Läden in Eltingen ausgestellt werden. Zu finden ist jeweils ein Entwurf im Bekleidungshaus Wibbel, der Kreissparkassen-Filiale Eltingen und der Bäckerei-Konditorei Marquardt.

In einer Präsentation Ende Juli haben die Künstlerinnen die Möglichkeit, ihren Entwurf und die Überlegungen hierzu einer 6-köpfigen Jury vorzustellen. Anschließend darf jedes Jurymitglied für seinen Favoriten abstimmen. Der Entwurf mit den meisten Stimmen wird im kommenden Jahr in Eltingen, gegenüber dem Geburtshaus von Katharina Kepler, aufgebaut.


Siebte Stimme vergibt Bürgerschaft

Alle Bürgerinnen und Bürger Leonbergs haben ebenfalls die Möglichkeit ihren Favoriten auszuwählen. Die Abstimmung ist nur über eine Postkarte möglich, die entweder in den Briefkasten des Stadtarchivs, Carl-Schmincke-Straße 37, in Leonberg-Eltingen, eingeworfen oder per Post versendet wird. Die Postkarte befindet sich im Flyer, der in den Läden ausgelegt wird. Alternativ kann der Flyer auch im Neuen Rathaus abgeholt werden.

Die als „Schnitterin“ bekannte Skulptur in Leonberg-Eltingen wurde 1936 in einem ähnlichen Wettbewerb ausgewählt. Ein Entwurfswettbewerb unter drei Künstlern brachte schließlich die bäuerlich anmutende Frau von Künstler Jakob Wilhelm Fehrle aus Schwäbisch Gmünd hervor. Sie nimmt Bezug zum bäuerlichen Charakter Eltingens und wurde vom damaligen Bürgermeister Carl Schmincke als „eine Schnitterin in jugendlicher Frische, aufrecht, stolz und kraftvoll“ beschrieben und später Katharina Kepler gewidmet.


Hintergrund zu Katharina Kepler

Katharina Kepler wurde am 8. November 1547 in Leonberg-Eltingen geboren und lebte dort bis zu ihrer Heirat mit Heinrich Kepler. Anschließend zog Kepler in das Elternhaus ihres Ehemannes in Weil der Stadt. Nur einige Jahre später zog die kleine Familie in das württembergische Leonberg, an den heutigen Marktplatz. Ihr Ehemann verließ 1589 die Familie und kam bei einem Einsatz als Söldner ums Leben. Danach zog die nun wohlhabende Witwe in die Klosterstraße. Kepler wandte sich vermehrt der Zubereitung von Arzneien und Salben zu und widmete sich im Laufe der Jahre der Krankenpflege. Ihr Sohn selbst nannte sie in einem Manuskript kräutersammelnde Zauberin und Geisterseherin.

Im Jahr 1615 wurde Katharina Kepler als Hexe verdächtigt und später angeklagt. Die Beschuldigungen und die Anklage gegen sie zogen sich bis ins Jahr 1620, in dem sie schließlich verhaftet wurde. Einer der bekanntesten Württembergischen Hexenprozesse folgte, bei dem ihr, nicht zuletzt, die Bemühungen ihres Sohnes, Johannes Kepler, zu einem Freispruch verhalfen.

Auch ihre Standhaftigkeit, sich trotz Androhung von Folter nicht der Hexerei schuldig zu bekennen, waren sicher ausschlaggebend für die Freilassung. Gezeichnet von den Strapazen des Prozesses und der langen Haft verstarb Katharina Kepler am 13. April 1622.